Chanukka in den Büchern der Breslauer Sammlung

Chanukka ist in der Tat ein Feiertag ohne einen dazugehörigen kanonischen Text. Es gibt jedoch Erwähnungen von Chanukka und der Geschichte von Channuka in deuterokanonischen Texten und Büchern, die nicht speziell für Channuka geschrieben wurden. Aus diesem Grund wurden viele Versuche unternommen, Chanukka-Anthologien zu erstellen: Bücher, die all diese Teile sammeln und versuchen, sie zusammenzusetzen. Diese Anthologien umfassen normalerweise Teile der beiden Bücher der Makkabäer, Erwähnungen von Chanukka aus dem Talmud, Geschichten der Chassidim, Gedichte, Lieder und so weiter.

Asher Anshil Grünwald, „Ner Mitzwa“. Uschhorod, 1929. Breslauersammlung BH 64


Einen schönen Versuch für eine solche Anthologie finden wir in unserer Sammlung mit dem Buch „Ner Mitzva“ (die Kerze des Gebotes). Dieses Buch wurde 1929 in Uschord, Ukraine, von R. Asher Anshil Grünwald geschrieben und verkündet selbst, „alle Angelegenheiten von Chanukka“ zu enthalten. Abgesehen von allen Regeln und Streitigkeiten über das Ritual des Kerzenanzündens, enthält das Buch Erwähnungen und Hinweise auf den Feiertag im Talmud, Gedichte, Lieder und Piyutim. Des Weiteren sind Teile der historischen und unkanonischen Texte, die die Geschichte von Chanukka erzählen, wie die Bücher der Makkabäer oder die Antiochos-Megilla, abegdruckt.

Psalm 67 in Form einer Menora. Nach der Tradition besteht eine Verbindung zwischen diesem Psalm und Chanukka.


Ein weiteres sehr einzigartiges Buch in der Sammlung ist Sefer Hachashmonaim („die Hasmonäer“), geschrieben 1816 in Prag von Jsaschar Beer Schlesinger (1773–1836), einem Dichter aus der Haskala-Generation (jüdische Aufklärung). Der Dichter versuchte, die vergangenen Elemente der Makkabäer-Zeit in die aktuellen poetischen Motive des frühen 19. Jahrhunderts zu integrieren. Das Buch ist daher eine einzigartige Kombination von biblischen Motiven mit Elementen des 19. Jahrhunderts, und man kann im selben Vers eine Erwähnung von Jehuda ha-Makkabi zusammen mit Dante, Milton und Sokrates finden.

Jisaschar Beer Schlensinger: Sefer ha-Hashmonaim (Die Hasmonäer) Prag, 1816. Breslauersammlung BH 343

Ein sehr interessanter Teil dieses Textes ist die Erklärung, die am Ende dieses Buches kommt. Aus Angst vor Missverständnissen, erklärt Schlesinger entschuldigend, dass sein Text nur im Kontext der Zeit des Hasmonäer zu lesen ist. Er betont seine Wertschätzung für die Christen seiner Zeit und führt aus, dass jedes Mal, wenn ein Nichtjude negativ erwähnt wird (ערלים, זרים, נכרים, גוים), dies nur für die „asiatischen Griechen“ der Hasmonäer-Zeit gilt.

Noch ein weiteres Buch in der Breslauersammlung, das sich mit Chanukka befasst, ist „Sefer Minhagim“. Dieses Buch, das ursprünglich 1566 von Rabbi Isaac Tyrnau in Venedig geschrieben wurde arrivierte zu einem der beliebtesten Bücher, um die verschiedenen Rituale der jüdischen Religion zu erklären. Auf den wenigen Seiten über Chanukka wird zum Beispiel erklärt, wie die Kerzen angezündet werden (zum Beispiel aus welcher Richtung man sie anzünden sollte), die Reihenfolge des Kerzenanzündens an Schabbat oder was eine Person tut soll, wenn sie weit weg ist von zu Hause aus und daher keine Kerzen anzünden kann.

Rabbi Isaac Tyrnau: Sefer Minhagim (Das Buch der Rituale), Amsterdam, 1681. Breslauersammlung BH 537

Die Ausgabe in der Breslauersammlung stammt aus dem Jahr 1688 und wurde in Amsterdam gedruckt. Wie viele Bücher in der Breslauer Bibliothek enthält dieses Buch Spuren seiner früheren Besitzer. Auf der ersten Seite wird in Handschrift offenbart, dass dieses Buch im Besitz des berühmten Abraham Cohn von Posen war, ein jüdischer Gelehrter und einer der Pioniere der erneuerten hebräischen Sprache im 19. Jahrhundert.

Eine handschriftliche Eigentumsunterschrift von Abraham Cohn in hebräischer und deutscher Sprache.
das Kapitel über Chanukka in Sefer Minhagim

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