In den Räumen der Bibliothek befinden sich noch viele ungehobene Schätze: Bücher, die noch nicht entdeckt worden oder zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Jeden Monat stellen wir Ihnen deshalb ein Buch vor. Vielleicht wird die eine oder der andere von Ihnen dadurch zum Lesen des Buches angeregt.

Juli. 2026
Usama Al Shahmani – In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied
Gadis Vater hinterlässt nach seinem Tod Tagebücher und Aufzeichnungen sowie seinen letzten Willen, der besagt, dass sein Leichnam – ganz entgegen dem jüdischen Brauch – eingeäschert werden und ein Teil seiner Asche in den Tigris gestreut werden soll. Gadi hatte die letzten dreissig Jahre seinen Vater nicht gesehen. Zuerst widerstrebend, dann aber mit Erstaunen und Betroffenheit liest er nun in den Aufzeichnungen des Vaters über das Leben seiner Vorfahren im Irak.
Gadis Geschichte bildet im Roman von Usama Al Shamani die Rahmenhandlung für einen Einblick in die Geschichte der irakischen Juden zur Zeit des aufkommenden Nationalismus in den 1930er und 40er Jahren, den sich die Nationalsozialisten zu Nutzen machten. Mit einem muslimischen Freund, der ebenfalls irakische Wurzeln hat, wagt Gadi schliesslich die Reise, um auf den Spuren seines Vaters zu gehen.
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Juni. 2026
Agnieszka Lessmann – Aga
Ihre Familiengeschichte besteht nur aus Fragmenten – wie Stoffreste, die nicht zusammenpassen, wenn sie sie zusammennäht. Ihr Vater erzählt wenig, und dann schaut er durch sie hindurch mit einem Gesichtsausdruck voller Schmerz. Sie fragt nicht weiter. In ihrem autofiktionalen Roman erzählt die Autorin Agnieszka Lessmann aus der Sicht des heranwachsenden Mädchens Aga, wie sie zwischen traumatisierten Erwachsenen aufwächst, und wie sie ihren Weg aus der Sprachlosigkeit findet.
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Mai. 2026
Iryna Fingerova – Zugwind
Als Russland 2022 die Ukraine überfällt, erfasst Mira Zehmann innerlich ein Zugwind, vor dem sie sich nicht schützen kann. „Ich konnte mich immer gut von der Realität abschirmen und mir Wärme bewahren, meine Fenster zur Welt waren stets hermetisch abgeschlossen. Ich putzte die Scheiben, sah klar, aber nie lieβ ich zu, dass mir der Wind unter die Haut ging. Diesmal waren die Fenster mit Reif überzogen, und ich brach mir beim Versuch, ihn abzukratzen, zwei Nägel ab. Es zog aus allen Ritzen.“ Aber Mira gewinnt immer wieder Oberwasser. Mit Lakonie trotzt sie der Schwermut.
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April. 2026
Julya Rabinowich – Mo & Moritz
„Mo konnte einen feinen, zarten Duft in seinen Kleidern wahrnehmen, ein bisschen nach Leinen und Wind über einer Herbstwiese. Er fühlte sich magisch davon angezogen […].“ Der Coiffeur-Lehrling Mo hat sich verliebt – in einen jungen Mann. Sein Leben wird aufregend schön aber auch kompliziert und gefährlich.
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März. 2026
Doris Herrmann – Geboren im Zeichen des Känguruhs
Wie kommt das Känguru-Junge in den Beutel hinein? Das war eine Frage, die sich Doris Herrmann schon als Kind stellte, nachdem sie Kängurus im Basler Zoo beobachtet hatte und begann, sich für diese fremdartigen Tier zu interessieren. Die Künstlerin, Schriftstellerin und autodidaktische Känguruforscherin wurde 1933 gehörlos geboren und wuchs in Riehen in einer assimilierten Familie auf. In ihrer Autobiografie erzählt sie von ihrem Weg in die Welt der Sprache, von Neugier und Wissensdurst und vor allem von ihrer grossen Liebe zu den Kängurus. Buchbesprechung im Anhang.
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Februar. 2026
Moritz von Bredow – Rebellische Pianistin
Vor 120 Jahren wurde in Berlin Margarete (Grete) Sultan in eine kinderreiche und überaus musikalische, assimilierte Familie hineingeboren. Musik prägt von Anfang an ihr Leben und ihre erste Klavierlehrerin, im Alter von drei Jahren, ist ihre ältere Schwester Anni. Der Autor Moritz von Bredow, der Grete Sultan noch kennengelernt und lange Gespräche mit ihr geführt hat, hat eine kenntnisreiche und somit dichte Biografie geschrieben.
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Januar. 2026
Yael Neeman – Wir waren die Zukunft
„Wir wurden 1960 im Kibbuz Yechiam geboren, dem schönsten Kibbuz der Welt – grün von Pinien, lila von Judasbäumen, gelb von Ginster […]“
Diesen Monat stellen wir Ihnen das kürzlich auf Deutsch erschienene Buch „Wir waren die Zukunft“ der israelischen Schriftstellerin Yael Neeman vor, die über ihre Kindheit und Jugend im Kibbuz schreibt – über Gemeinschaftsgefühl und Selbstständigkeit aber auch über Doktrin und Verlorenheit.
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November. 2025
Dita Kraus – Ein aufgeschobenes Leben
Vor kurzem verstarb in Israel die Lehrerin und Malerin Dita Kraus, auch bekannt als ‚die Bibliothekarin von Auschwitz‘. 1929 in Prag als Edita Polachová geboren, überlebte sie als Jugendliche mehrere Konzentrationslager. 1949 wanderte sie nach Israel aus. Wir stellen Ihnen ihre Lebenserinnerungen vor.
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Oktober. 2025
Isabella Maria Fischli – Dreyfus ist unser Name
1993 wurde sie überraschend zur ersten SP-Bundesrätin gewählt. Auch wenn sie sich stetig neue Aufgaben sucht, mit denen sie dem Wohl der Gesellschaft dienen kann ‒ diese Wahl hatte Ruth Dreifuss nicht beabsichtigt. Und doch hatte sie das Zeug zur Bundesrätin. Wer ist Ruth Dreifuss, was hat sie geprägt, was treibt sie an?
Wir stellen Ihnen die Biografie der Journalistin Isabelle Maria Fischli vor.
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August-September. 2025
Katharina Adler – Ida
Bekannt ist Ida Adler, geb. Bauer, eher unter dem Namen „Dora“, durch Sigmund Freuds Fallstudie seiner Patientin. Ida Adler brach damals die Behandlung ab. In ihrem Roman über ihre Urgrossmutter gibt Katharina Adler die Gestalt einer resoluten Frau, die sensibel und gleichzeitig unerschrocken war. Den Vorbehalten ihrer Eltern zum Trotz heiratete sie den Mann, den sie liebte und wurde später die erfolgreiche Besitzerin eines Bridge-Salons. Lesen Sie mehr dazu in der Buchbesprechung im Anhang.
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Juli. 2025
Lizzie Doron / Wir Spielen Alltag
Im Buch, das wir Ihnen diesen Monat vorstellen, versucht die Schriftstellerin Lizzie Doron nach dem 7. Oktober 2023 Worte zu finden für ihre Empfindungen und für das, was seither ihr Alltag in Israel geworden ist.
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Juni. 2025
Muriel Asseburg / Der 7. Oktober und der Krieg in Gaza
Diesen Monat möchten wir Ihnen ein Sachbuch der Politologin Muriel Asseburg vorstellen, welches sich mit dem 7. Oktober und dem Krieg im Gazastreifen, befasst.
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Mai 2025:
Patrick Modiano / Unsichtbare Tinte
In einem Rückblick von etwa 40 Jahren erzählt Jean Eyben, der Ich-Erzähler, von seiner Probezeit in einer Detektei, in der er die Aufgabe bekommen hatte, Ermittlungen anzustellen über eine Frau mit Namen Noëlle Lefebvre, die kürzlich verschwunden war. Die Faktenlage ist dünn. Mit einer Mischung aus Fakten und Erfundenem versucht der Erzähler Personen, die die Frau gekannt haben, weitere Details zu entlocken. Lesen Sie in der Buchbesprechung mehr über die unsichtbare Tinte.
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April 2025:
Bella Liebermann / Das Kupfermeer
Im russischen Zarenreich des 19. Jahrhunderts wurden Buben als Kindersoldaten wehrverpflichtet und vom Militär erzogen. Sie werden Kantonisten genannt. Von diesem Gesetz waren vor allem jüdische Familien betroffen, deren Söhne keiner Wehrpflicht unterlagen, weil sie keine Bürgerrechte hatten. Im historischen Roman Das Kupfermeer geht es um das Schicksal eines jungen Kantonisten und seiner Familie.
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März 2025:
Yvonne Livay / Die Frau mit der Lotosblume
«Du weisst, wenn ich keine Zeit haben werde, um zu schreiben, dann mach Dir keine Sorgen». Das junge Mädchen Sala (Salunka) Dancygier zieht 1938 aus ihrer polnischen Heimat nach Basel zu Verwandten. Sie kann bei einer Familie eine Zeitlang als Haushaltshilfe arbeiten. 1941 heiratet sie, zieht mit ihrem Mann, Simon Cholewa, nach Zürich und bekommt zwei Töchter. Währenddessen werden ihre Mutter und ihre Geschwister im Heimatort Dabrova Gornicza ins Ghetto umgesiedelt. Von dort schreiben sie Sala häufig Briefe. Briefe, die aufgrund der deutschen Zensur, wenn überhaupt, nur verdeckt Auskunft geben über die bedrohliche Lage der Juden im Ghetto.
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Februar 2025:
Efrat Shoham, Yuval Israeli / Umarmungen für Anfänger
Wissen Sie wie die «Hopp und hoch Umarmung» geht? Nein? Dann ist das kleine Büchlein, dass wir Ihnen diesen Monat vorstellen, vielleicht genau das Richtige für Sie.
Ein herziges Büchlein für die ganze Familie.
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Januar 2025:
Amos Oz / Ein anderer Ort
In seinem frühen Roman Ein anderer Ort breitet sich Amos Oz’ grosse Erzählkunst wie ein reich gemusterter Teppich vor den Lesenden aus. Den Rahmen bildet ein fiktiver Kibbuz vor einer eindrücklichen, aber auch bedrohlichen Bergkulisse. Die Figuren – ihr Innenleben, ihre Sehnsüchte und Verstrickungen – werden detailliert, aber gleichzeitig aus dem nicht wertenden, verständnisvollen und ausgleichenden Blickwinkel des Erzählers dargestellt. Lassen Sie sich mitnehmen in den Mikrokosmos Kibbuz.
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Dezember 2024:
Oded Fluss u. Kerstin A. Paul / Jüdische Exlibris in der Schweiz
Für das Buch des Monats im letzten Monat des Jahres haben wir einen besonderen Leckerbissen: unser Buch! Anlässlich des 85-jährigen Jubiläums der icz-Bibliothek veröffentlichen wir in diesem Monat das Buch Jüdische Exlibris in der Schweiz. Lesen Sie mehr über unser Buch in diesem neuen Beitrag im Bibliotheksblog:

November 2024:
Maya Lasker-Wallfisch / Briefe nach Breslau
Als Tochter einer Cellistin und eines Pianisten sowie jüngere Schwester eines musikbegabten Bruders erlebt sich Maya Lasker-Wallfisch als schwarzes Schaf der Familie, da sie die ‘Sprache der Musik’ nicht spricht. Sie wächst als sehr verunsichertes und haltloses Kind auf, das zu Hause keine Geborgenheit empfindet. Lange weiss Maya nicht, dass ihre Mutter eine Auschwitz-Überlebende ist. In ihrer Autobiografie erzählt die Autorin, wie das nicht benannte Trauma der Mutter ihr Leben geprägt hat.
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Oktober 2024:
Hanka Meves / Die Komponistin von Köln
Diesen Monat stellen wir Ihnen einen neuen historischen Roman vor, der sich der kürzlich wiederentdeckten Komponistin Maria Herz widmet. 1878 geboren, wuchs sie in Köln auf. Mit ihrem Ehemann siedelte sie nach England über, wo sie vier Kinder grosszog. Sie war die Grossmutter eines ICZ-Gemeindemitglieds.
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September 2024:
Dror Mishani / Fenster ohne Aussicht
Der israelische Krimiautor Dror Mishani befand sich am Krimifestival in Toulouse als die Hamas am 7. Oktober 2023 Israel angriff. Er lebt mit seiner Familie in Tel Aviv. Von ihm ist nun auf Deutsch eine Art Kriegstagebuch erschienen, in dem er seine Gedanken und Erlebnisse von Oktober 2023 bis März 2024 in Worte gefasst hat.
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August 2024:
Chaim Potok / Davita’s Harp
Ilana Davita ist ein Mädchen im Alter von acht Jahren. Sie lebt mit ihren Eltern in New York City der 1930er Jahre. Ihre Mutter ist eine Jüdin aus Polen, ihr Vater gebürtiger Amerikaner aus anglikalem Elternhaus. Beide haben sie sich von ihrer Religion abgewandt und teilen ihre Überzeugung vom Kommunismus. 1936 wird der Vater als Kriegsberichterstatter nach Spanien entsandt.
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Juli 2024:
Vikram Seth / Zwei Leben
Als junger Mann zieht Vikram Seth Anfang der 1970er aus Indien zu Verwandten nach England, um dort sein Studium zu absolvieren. Er kennt diese Verwandten nur flüchtig. Onkel Shanti ist ein Grossonkel mütterlicherseits. Tante Henny kommt ursprünglich aus Berlin. Vikram wächst dem kinderlosen Paar ans Herz. Von Tante Henny lernt er Deutsch. Wie ihm dies später noch zugutekommen würde, ahnt er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
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Juni 2024:
Erica Fischer / Aimée & Jaguar
Berlin im November 1942: Felice Schragenheim ist untergetaucht, weil sie auf der Deportationsliste steht. Durch eine Freundin lernt sie die Nazi-Mitläuferin Lilly Wust kennen. Lilly hat vier kleine Kinder und einen Mann an der Front. Die zwei Frauen verlieben sich ineinander. Lilly darf nicht wissen, dass Felice Jüdin ist…
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Mai 2024:
«Quelle lebender Bücher» / hrsg. im Auftrag der Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich von Yvonne Domhardt und Kerstin A. Paul. edition clandestin, 2014.
2014 erschien aus Anlass des 75jährigen Jubiläums der ICZ Bibliothek ein Bibliotheksbuch im buchstäblichen Sinne: 75 Menschen – Benutzende der Bibliothek im Alter von 5 bis 89 Jahren – schrieben, malten oder gestalteten mit Bildern ihren ganz eigenen Beitrag zu ihrem Lieblingsbuch. Siehe Buchvorstellung im Anhang. Das Jubiläumsbuch steht zum Ausleihen zur Verfügung. Ausserdem gibt es noch einige Exemplare zu erwerben.
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April 2024:
Tamar Tal / Life in Stills הצלמניה
Zur Abwechslung stellen wir Ihnen diesen Monat einen Film statt einem Buch vor.
Wer kennt es nicht, das berühmte Foto von David Ben Gurion beim Verlesen der Unabhängigkeitserklärung am 14. Mai 1948. Das Foto stammt von Rudi Weissenstein, einem israelischen Fotografen, der an dem Ereignis neben Robert Capa der einzig zugelassene Fotograf war. Miriam Weissenstein wurde nach dem Tod ihres Mannes 1992 zur Hüterin des Fotoarchivs in Tel Aviv von über 250‘000 Negativen. 2012 erschien darüber ein Dokumentarfilm der Regisseurin Tamar Tal, denn das Fotoarchiv und -geschäft sollte einem sechsstöckigen Haus weichen.
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März 2024:
Thomas Sparr / „Ich will fortleben, auch nach meinem Tod“ Die Biographie des Tagebuchs der Anne Frank
Ein weiteres Buch über Anne Frank und ihr Tagebuch? Tatsächlich füllt der Literaturwissenschaftler Thomas Sparr mit seinem neuen Buch eine deutliche Lücke. Er widmet sich der Entstehungsgeschichte des Tagebuches als Buch und seiner Wirkungsgeschichte der letzten mehr als 70 Jahre. Wie wurde das Tagebuch in den einzelnen Ländern aufgenommen? Von wem wurde es gelesen?
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Februar 2024:
Anna-Carola Krausse / „Lotte Laserstein: Meine einzige Wirklichkeit“
Diesen Monat stellen wir Ihnen einen Kunstband über die Malerin Lotte Laserstein vor. Die Malerin, die den Höhepunkt ihres Schaffens in den 1920er und 1930er Jahren in Berlin hatte, überlebte den Holocaust im schwedischen Exil. Wer war Lotte Laserstein und wie sah sie ihre Wirklichkeit?
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Dezember 2023:
Kurt Guggenheim / „Alles in Allem“
Das Buch des Monats ist der Zürcher Roman schlechthin: «Alles in Allem» von Kurt Guggenheim. Vor der Kulisse der Stadt Zürich und historischer Ereignisse – wie die Russischen Revolutionen, der Erste Weltkrieg, der Landesstreik – lässt Guggenheim einen Raum entstehen, in dem persönliche Schicksale miteinander verwoben sind.
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November 2023:
Gunilla Palmstierna-Weiss / Eine europäische Frau
Kunst und Theater war ihre Welt. Die Keramikerin, Bühnen- und Kostümbildnerin Gunilla Palmstierna-Weiss bewegte sich zwischen dem schwedischen und dem deutschen Theater. Geprägt war sie von einer unbehüteten Kindheit mit einer traumatisierten Mutter in Schweden, Österreich, Frankreich und während des Zweiten Weltkriegs versteckt in den Niederlanden. Sie war in zweiter Ehe mit dem Künstler und Schriftsteller Peter Weiss verheiratet. In ihrer Autobiografie erzählt sie aus ihrem vollen Leben.
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Oktober 2023:
Adriana Altaras / Besser allein als in schlechter Gesellschaft
Frühjahr 2020: Die 99-jährige Tante in Italien ist in Mantua im Pflegeheim untergebracht. Die 60-jährige Nichte lebt in Berlin.
Die Pandemie bricht aus. Reisen ist nicht möglich, Arbeiten nur von zu Hause aus, Geschäfte sind geschlossen. Tante und Nichte sind sehr eng miteinander verbunden. Die Tante, in Kroatien aufgewachsen, war dort im KZ und hat die Schoah versteckt in Italien überlebt…
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September 2023:
Torben Kuhlmann / Einstein
Eine Maus von weither reist nach Bern und kommt einen Tag zu spät: Das grosse Käsefest ist schon vorbei! Wie konnte das passieren?! Die Maus versucht zu verstehen, was Zeit ist und müht sich damit ab, alle Uhren, der sie habhaft werden kann, zurückzudrehen. Sie macht sich auf die Suche nach jemandem, der ihr die Zeit erklären kann.
Lesen Sie mehr über dieses faszinierende Buch für Kinder und Erwachsene in der Buchbesprechung.

August 2023:
Delphine Horvilleur / Mit den Toten leben
Über den Umgang mit dem Tod zu schreiben, ist nicht einfach. Tod ist mit Verlust verbunden, mit offenen Fragen, mit einem unumkehrbaren Ende. Delphine Horvilleur ist Rabbinerin. In einem Essay reflektiert sie anhand von Trauerfällen, die sie begleitet hat, über den Tod und über die Spuren der Verstorbenen in den Leben der Hinterbliebenen.

Juli 2023:
Judith Kerr / Geschöpfe
Vor 100 Jahren kam in Berlin die Illustratorin und Schriftstellerin Judith Kerr zur Welt. Viele von Ihnen kennen sie sicher durch ihr Jugendbuch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“. Judith Kerrs künstlerische Karriere begann mit dem Entwerfen von Stoffmustern für einen Möbelstoffproduzenten. Tauchen Sie mit dem Buch „Geschöpfe“ ein in ihre Memoiren und ihre Illustrationen.

Juni 2023:
Kressmann Taylor / Adressat unbekannt
Ein Briefwechsel zwischen zwei Geschäftspartnern und Freunden – Max Eisenstein und Martin Schulse – zwischen San Francisco und München, 1932-1934, der eine Jude, der andere nicht.
Dieser aussergewöhnliche Briefroman verdeutlicht, wie der Nationalsozialismus innerhalb kürzester Zeit einen Keil in enge Freundschaften trieb.

Mai 2023:
Michael Friedmann / Fremd
«Ich bin in Paris geboren.
Mein erster Ausweis:
Von der UN.»
Wir stellen Ihnen diesen Monat das neue Buch von Michel Friedman vor, sein bisher persönlichstes.

April 2023:
Charles Lewinsky / Doppelpass
Das Schicksal zweier Cousins aus Guinea, die sich in der freien Schweiz ein besseres Leben erhoffen, könnte unterschiedlicher nicht sein. Der eine der zwei Männer, ein Fussballtalent, steigt sehr schnell zum Profi auf. Der andere, der erst aufgrund seines erfolgreichen Cousins auf illegalem Weg in die Schweiz kommt, fristet sein Dasein als Sans-Papier, angewiesen auf hilfsbereite Menschen.
Dieses 2009 erschienene Buch von Charles Lewinsky hat nach wie vor Aktualität und erscheint diesen Sommer als Taschenbuch.

März 2023:
Ricardas Tochter / Jutta Schwerin
Ihr Bruder Tom Segev ist sicher vielen als Historiker und Journalist bekannt, aber wie viele kennen die deutsche Architektin und Politikerin Jutta Oesterle-Schwerin? Diesen Monat stellen wir Ihnen ihre Autobiografie vor.
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Februar 2023:
Demenz hat viele Farben / Dalia Teplitz-Gutermann
In ihrem kürzlich erschienenen Büchlein schreibt Dalia Teplitz-Gutermann, die als Pflegeassistentin tätig war, über ihre Erfahrungen und Begegnungen mit Betroffenen in einem jüdischen Seniorenheim
Mit ihrer bewusst positiven Grundhaltung möchte die Autorin Alter und Demenz eine farbenfrohe Färbung zu geben.
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Januar 2023:
Adolfo Kaminsky. Ein Fälscherleben / Sarah Kaminsky
Neunhundert Dokumente fälschen in drei Tagen! Sich nicht erwischen lassen, keinen Fehler machen, nicht einschlafen!
Das Buch von Sarah Kaminsky über ihren Vater, Adolfo Kaminsky, als Fälscher im besetzten Frankreich liest sich atemlos. Er starb am 9. Januar diesen Jahres.
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Dezember 2022:
Geschichte zweier Leben / Peter Kamber
Aline Valangin und Wladimir Rosenbaum waren ein aussergewöhnliches Paar in einer unruhigen Zeit – sie ausgebildete Konzertpianistin, später Schriftstellerin und Psychoanalytikerin; er Anwalt und später Antiquar. Die Liebe zur Kunst und zur Literatur verband die beiden. In einer Doppelbiografie lässt der Historiker und Journalist Peter Kamber diese zwei starken Persönlichkeiten lebendig werden.
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November 2022:
Im Bund der Lebenden / Valérie Zenatti
Lesende, die Bücher des israelischen Schriftstellers Aharon Appelfeld gelesen haben, wissen, dass er eine sehr eigene Sprache hat. Seine Worte und Beschreibungen sind oftmals sehr einfach, elementar und bringen dadurch eine Unmittelbarkeit zum Ausdruck. Es ist eine Sprache, in der jedes Wort sorgfältig gewählt wird. Seine französische Übersetzerin Valérie Zenatti hat letztes Jahr ein Buch über ihre besondere Verbindung zu ihm und seiner Sprache geschrieben.
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Oktober 2022:
Das Leben wartet auf Dich / Haddon Klingberg jr.
Viktor E. Frankl, vielen bekannt durch sein Buch «…trotzdem Ja zum Leben sagen» war Neurologe und Psychiater und begründete die Logotherapie. 1946 begegneten sich Viktor und die 20 Jahre jüngere Elly. Ein Jahr später heirateten sie. Auf einer Amerika-Reise entstand zwischen dem Psychologen Haddon Klingberg und dem Ehepaar Frankl spontan das Projekt, die Lebensgeschichte der beiden aufzuzeichnen. Daraus wurden sieben Jahre mit zahlreichen intensiven, stundenlangen Gesprächen zwischen dem Autor, und am Ende eine beeindruckende Doppelbiografie.
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September 2022:
In meinem Salon ist Österreich / Lucien O. Meysel
Berta Szeps, verheiratet Zuckerkandl, zeigte früh Interesse an gesellschaftlichen sowie politischen Zusammenhängen und hatte die Begabung, die richtigen Menschen miteinander in Kontakt zu bringen. Seit Ende des 19. Jahrhunderts bis zu ihrer Flucht 1938 führte sie einen Salon. Zusätzlich setzte sie sich als autodidaktische Kulturjournalistin in Zeitungsbeträgen sowie durch aktive Mitarbeit für Reform- und Erneuerungsbewegungen in Kunst und Theater ein. In der kenntnisreichen Biographie von Lucien O. Meysel erfahren wir, welch bedeutsame Frau Berta Zuckerkandl gewesen ist.
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August 2022:
Die letzten Dinge / Iris Radisch
Die Literaturkritikerin und ZEIT-Redakteurin Iris Radisch hat Gespräche gesammelt, die sie zwischen 1990 und 2015 mit hochbetagten Schriftstellerinnen und Schriftstellern verschiedener Nationalitäten geführt hat, jüdischen wie nicht-jüdischen. Jedes dieser Gespräche ist einmalig, bereichernd und mitunter verblüffend durch originelle Ansichten und treffende Sätze dieser sprachmächtigen Menschen.
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Juli 2022:
Mein Wildgarten / Meir Shalev
Wann ist die beste Zeit für die Feigenernte? Weshalb durchlöchern Spechte Wasserschläuche? Wird die Anemone im Tanach erwähnt? Im Buch über seinen Wildgarten erzählt Meir Shalev von den Freuden und Leiden eines Hobbygärtners. Diejenigen unter Ihnen, die diesen Autor bereits kennen, werden wissen, dass es in diesem Buch sicher nicht einfach um Blumen geht.
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Juni 2022:
Clara Haskil / Jérôme Spycket
Bereits im Alter von vier Jahren wurde Clara Haskils grosse musikalische Begabung entdeckt. Sechsjährig kam sie nach Wien, drei Jahre später nach Paris. 1942 konnte sie durch den beherzten Einsatz von Menschen in Frankreich und in der Schweiz über die Grenze ins neutrale Nachbarland gebracht werden.
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Mai 2022
«Versuche, dein Leben zu machen» / Margot Friedländer
Von etwa 7000 jüdischen Berliner/innen, die während des Holocaust versuchten, sich der Deportation zu entziehen, überlebten etwa 2000 als Untergetauchte in der Stadt. Margot Friedländer, geb. Bendheim, ist eine von ihnen. Geboren wurde sie 1921, heute ist sie mit ihren 100 Jahren eine der wenigen noch lebenden Holocaust-Überlebenden. Wie sie überlebte, schildert sie in ihrer Autobiographie.
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April 2022:
Die Hochzeitsgabe / Geraldine Brooks
Vielleicht erinnern Sie sich an das Buch über den Aleppo Kodex, welches wir Ihnen im Februar 2022 vorgestellt haben. Im Folgenden geht es erneut um eine alte Handschrift, diesmal um eine Haggada aus dem Spanien des 14. Jahrhundert. Seit 1894 befindet sie sich im Bosnischen Nationalmuseum in Sarajevo, weshalb sie auch «Sarajevo-Haggada» genannt wird. Diese Haggada ist aus mehreren Gründen sehr bemerkenswert.
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März 2022:
Die Zeit wird es zeigen / Mira Magén
Ein Sommer am Strand von Tel Aviv: die Familie Chajat betreibt dort die Saison hindurch eine Imbissbude. Die dreizehnjährige Tochter Anna, die durch eine Hirnschädigung bei der Geburt Koordinationsstörungen hat, steigt ohne Erlaubnis auf ein Velo und nimmt ihren fünfjährigen Bruder Tom auf den Gepäckträger. Auf der kurzen Fahrt lässt der Junge sie los und fällt rückwärts vom Velo. Niemand hat es gesehen. Tom kommt ins Krankenhaus und liegt im Koma.
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Februar 2022:
Der Aleppo Codex / Matti Friedman
Der Codex von Aleppo galt lange Zeit als die älteste vollständige Handschrift der hebräischen Bibel in Buchformat (Codex), etwa um 930 geschrieben. Er hatte daher durch Jahrhunderte eine entsprechende Autorität. Ende der 1950er Jahre kam er mit einem Kurier nach Israel. Offiziell ist seine Rettung eine Erfolgsgeschichte. Schaut man genauer hin, gibt es jedoch Ungereimtheiten.
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Januar 2022:
Licht und Schatten / Leontine Sagan
Bekannt wurde Leontine Sagan ihrerzeit mit dem ersten Kinofilm für den sie Regie führte: «Mädchen in Uniform» (uraufgeführt 1931 in Prag), nach dem Theaterstück «Ritter Nérestan» von Christa Winsloe. Mit der Bühnenversion ging sie anschliessend nach Grossbritannien auf Tournee und – kehrte aufgrund der Entwicklungen nicht nach Deutschland zurück. Ihr weiteres Schaffen blieb der Nachwelt bis zum posthumen Erscheinen ihrer Autobiografie grösstenteils unbekannt.
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