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Monat Elul und die Jamim Noraim

Ephraim Moses Lilien – Elul Melodien

Im weitesten Sinne ist ‚Jamim Noraim‘ der Name, mit dem wir die Tage ab dem ersten Tag des Monats Elul und bis zum Ende des Jom Kippur bezeichnen. Tage, an denen Juden und Jüdinnen auf der ganzen Welt Barmherzigkeit und Teschuwa (Umkehr) praktizieren. Der Monat Elul ist der letzte Monat im jüdischen Kalender, und für das kommende neue Jahr ist man verpflichtet, sich von seinen Sünden zu reinigen. Diese Tage gelten daher als Tage der Ehrfurcht vor Gott, und der Name ‚Jamim Noraim (ehrfurchtserweckende Tage) soll dies ausdrücken. „Jamim Noraim“ ist auch der Name einer sehr bekannten Anthologie, die der hebräische Schriftsteller und Nobelpreisträger Samuel Josef (Shai) Agnon (1888 – 1970) 1938 im Schocken Verlag zusammengestellt hat. Sie hat schnell einen kanonischen Status erreicht und ist bis heute als klassisches Buch bekannt, das man zur Zeit des ‚Jamim Noraim‘ mit in die Synagoge nimmt.

Samuel Josef Agnon – Jamim Noraim. Schocken Verlag, 1938. H 368

Die Anthologie ist eine Sammlung von Gebräuchen, Midrashim und Legenden, die Agnon aus Tausend verschiedenen Quellen zusammengetragen hat. Sie war seiner Meinung nach dazu gedacht, die Zeit zwischen den Gebeten zu überbrücken und die Menschen davon abzuhalten, während dieser Zeit zu reden und über alltägliche Dinge nachzudenken.
Da die Anthologie nie ins Deutsche übersetzt wurde, haben wir uns entschlossen, Ihnen hier jede Woche während der Jamim Noraim einen übersetzten Beitrag zusammen mit der hebräischen Quelle zu bringen. Sobald wir die Originalquelle, die Agnon benutzt hat, in unserem Bestand haben, werden wir auch ein Bild davon hinzufügen.

Abraham Danzig – Sefer Chaje Adam. Wilna, 1810. Breslauer Sammlung H 5159

Der erste Beitrag stammt aus dem Buch „Chaje Adam“ von Rabbi Abraham Danzig (1748 – 1820), das 1810 in Wilna veröffentlicht wurde und sich mit den Gesetzen beschäftigt, die im Abschnitt Orach Chayim des Shulchan Aruch von Yosef Karo behandelt werden. Das Buch ist in 224 Abschnitte unterteilt, die sich mit dem täglichen Verhalten und dem Gebet sowie mit Schabbos (Sabbat) und Yom Tov (Feiertagen) befassen. Unser Beitrag behandelt die Bedeutung des Monats Elul im Prozess der Umkehr. Als ersten Beitrag in dem Abschnitt, der dem Monat Elul gewidmet ist, hatte Agnon beschlossen, folgende Worte zu zitieren, die die Bedeutung des Monats Elul im Akt der Teschuwa verdeutlichen:

„Da G’tt sein Volk Israel liebt, hat er Wohltat an uns gemehrt und uns befohlen, jederzeit umzukehren, wann auch immer wir sündigen. Obwohl also die Umkehr gut ist zu jeder Stunde, ist dennoch der Monat Elul besonders zu Umkehr ausersehen. Denn die Umkehr in diesem Monat wird wohlgefälliger aufgenommen als an den übrigen Tagen des Jahres, da dies Tage, Tage der Zuneigung sind von der Stunde an, in der wir zum Volke erwählt wurden. Als nämlich Israel die Sünde des goldenen Kalbes beging und die heiligen Tafeln zerbrochen wurden, da stieg Mosche ein zweites Mal auf den Berg Sinai, am ersten Tage des Monats Elul, um seinem Volke die Thora zu bringen, und weilte dort bis Jom Kippur, dem Abschluss der Sühne ( Aus „Chaje Adam“)“.

Fortsetzung folgt hier: https://breslauersammlung.com/2022/09/08/schofar/

Oded Fluss. Zürich, 29.8.2022

עודד פלוס ב‘ באלול ה’תשפ“ב

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